Sella

Vergangenes Wochenende haben wir einen Klettersteigkurs vom Alpenverein gemacht, um uns auch mal an schwierigere Steige zu trauen. Stützpunkt war das Refugio Valentini am Sellajoch.

Freitag früh um sechs treffen wir uns bei leichtem Regen in München und fahren dann gemeinsam los. Die Hoffnung, dass das Wetter südlich des Alpenhauptkamms besser wird, erfüllt sich nur bedingt. Auch hier ist es wolkig und kühl.

Nachdem wir in der Hütte das Gewicht unserer Rucksäcke auf das nötigste reduziert haben, begeben wir uns zum ersten Klettersteig. Für den Einstieg gibt es noch einmal einen leichten A/B-Klettersteig auf die Große Cirspitze.

Cirspitzen

 Der Steig ist wirklich nicht sonderlich schwer, zwischendrin gibt es auch einfache Wegpassagen. Hier sehen wir auch unser erstes wild wachsendes Edelweiß. In den nächsten Tagen werden wir feststellen, dass die hier recht häufig sind, ganz anders als in den Nordalpen...

Edelweiß

 Auf dem Gipfel machen wir dann erst einmal Rast und genießen die, wenn auch recht eingeschränkte Aussicht.

Tal hinter den Cirspitzen

Der Abstieg ist schnell hinter uns gebracht und nun wir es kniffliger: Es geht jetzt auf die Kleine Cirspitze gleich nebenan. Bis zum Einstieg in den Klettersteig müssen wir ersteinmal ein paar Ier-Kletterstellen überwinden. Dann folgt ein Steig, der teilweise über sehr sehr schmale Simse führt. Auch ein Abgrund will einmal mit einem mutigen Schritt überquert werden. Ohne Sicherung würde uns manchmal sicher der Mut verlassen. Dafür ist die Aussicht zurück auf den Sellstock grandios.

Sella

Der letzte Gipfelanstieg hat es noch einmal in sich, doch schließlich drängt sich die ganze Gruppe auf dem winzigen Gipfel zusammen. - mehr dürften wir nicht sein. Nachdem wir die Aussicht ringsherum genossen haben, verlassen wir ihn auch schnell wieder.

Ausblick von der Kleine Cirspitze

Für den Abstieg wählen wir einen etwas einfacheren Weg durch eine Schuttreiße. Dann kehren wir zur Hütte zurück - gerade rechtzeitig zum Abendessen.

Für den nächsten Tag steht der neue Klettersteig auf die Rodella auf dem Programm. Nach dem Frühstück wandern wir hinauf zum Einstieg. Von vorne sieht der Berg, auf dessen Gipfel eine Hütte und Funkmasten stehen, nicht sonderlich eindrucksvoll aus. Die Wege sind überfüllt mit Seilbahntouristen.

Sobald wir jedoch an der Seilbahnstation vorbei sind, zeigt sich ein anderes Bild: Schroffe Hänge und so viel Einsamkeit, dass uns die Murmeltiere sehr nah heranlassen.

Am Einstieg des Klettersteigs machen wir ein paar Kletterübungen, lernen das Abseilen und bekommen eine Einführung in Erste Hilfe. Dann dürfen wir uns in den Steig wagen.

Er ist um einiges knackiger als der gestern. Oft müssen Platten gequert werden. Profis kriegen das wohl über Reibung mit wenig Kraft hin, doch wir Anfänger müssen uns oft mit den Armen am Seil hochziehen. Nach unten schauen wir lieber nicht...

Endlich sind wir oben und können auf der Dachterrasse der Hütte kalte Getränke und Apfelstrudel genießen. Und natürlich den Ausblick auf das Langkofelmassiv...

Platt- und Langkofel

Bevor wir absteigen werfen wir von oben noch einmal einen Blick auf den Steig. Wir sind wir da bloß raufgekommen? Wir müssen verrückt sein!

Rodella-Klettersteig

Vorbei an "unserer" Hütte steigenwir nun hinunter zur Steinernen Stadt um dort noch ein paar Kletter- und Abseilübungen zu machen.

 Refugio Valentini

In den Felsen am Fuß des Langkofels lernen wir dann, wie man jemanden abseilt. Kurz vor dem Abendessen kehren wir dann zur Hütte zurück, wo wir ersteinmal ausgiebig duschen.

Langkofel

Sonntag ist dann schon der letzte Tag. Heute steht ein Klassiker auf dem Programm, der Piscadú-Klettersteig. Das Wetter ist fantastisch als wir am Parkplatz am Grödenerjoch loslaufen.

Grödner Joch

Der Steig führt zunächst, von der Nässe abgesehn recht einfach, bis zu einem kleinen Plateau. Dieses wird überquert bis zu Einstieg des wirklichen Klettersteiges.

Klamm am Pisciadú-Klettersteig

Dieser führt durch eine Schlucht neben einem Wasserfall. Er kommt uns einfacher vor als der gestern. Zwar gibt es auch hier Stellen, an denen man besser nicht nachdemken sollte, aber im Großen und Ganzen ist er gut machbar.

Um nicht zu lange zu brauchen - wir wollen ja heute noch heim - nehmne wir den Notausstieg oberhalb des Wasserfalls und steigen auf einfachen Wegen hinauf zur Piscadú-Hütte im Schatten des Piscadú.

 Pisciadú

Hier machen wir eine ausgiebige Mittagspause.

Pisciadúhütte

Der Abstieg führt dann zunächst über drahtseilversicherte Stellen, dann durch ein breites Kar hinab. Schnell verlieren wir an Höhe.

 Val Setus

Zurück am Auto treten wir die Heimreise an. Pünktlich am Brenner wir das Wetter wieder schlecht. In Garmisch geraten wir dann in einen langen Stau, da der Farchanttunnel blockabgefertigt wird. Auf der Höhe von Schäftlarn bricht dann ein sintflutartiges Unwetter über uns herein. Entschädigt werden wir aber durch einen doppelten Regenbogen, der bis München vor uns bleibt. Mit der U-Bahn fahren wir dann das letzte Stück nach Hause, wo wir dann gegen halb neun müde aber glücklich eintreffen.

Wir haben zwar kaputte Nagelbetten, blaue, zerschrammte Beine, Muskelkater in den Armen und eine Erkältung, aber die Erfahrungen des Wochenendes möchten wir nicht missen. Es war sehr schön!

10.8.10 09:54

Letzte Einträge: Nachschub für die Sockenschublade, Noch mehr Socken, Rückblick Januar 2012, Nachtrag, Schon wieder Socken, Rückblick Februar

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